Leben teilsaniert – Private Politics


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Suizid

Das Thema Suizid begegnete mir letztens in einem Krimi auf dem ZDF, dem Film „Das Versprechen“ aus der Reihe „unter anderen Umständen“. In diesem Film begehen 3 junge Mädchen Suizid – man sagt nicht Selbstmord, denn es ist kein Mord, wenn man seinem eigenem Leben ein Ende setzt. Trotzdem wirkt der Freitod bei so jungen Menschen doch sehr gewalttätig, auch wenn er in der Geschichte irgendwie poetisch, dramatisch, jungrevolutionär, melancholisch und verliebt, sehnsüchtig rüberkommt. Es werden eigentlich Qualitäten des Lebens gesucht in diesen Suiziden, in einer überhöhten Vorstellung.

Auch wurde das Thema Sterbehilfe/selbstbestimmtes sterben im Vergleich zum Hospiz auf der ARD in einem Beitrag vorgestellt, leider leider war dieser viel zu kurz abrufbar. Eine kranke ältere Frau nahm begleitende Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch und ein schwer kranker Familienvater wollte auch aufrgund seiner Krankheit Suizid begehen, wurde gerettet und konnte dann einige Zeit in einem Hospiz verbringen, wo er Versöhnung mit sich fand und dann im Kreise seiner Familie sterben konnte – ein guter Abschied ist nicht zu unterschätzen.

Suizid kommt gar nicht so selten vor. Gerade sehr junge Menschen und noch mehr alte Menschen sind von diesem Thema stark betroffen. Aus unterschiedlichsten Gründen. Es ist nicht nur eine Lebensmüdigkeit sondern vielmehr eine große Hilflosigkeit und Verzweiflung, aus Armut, aus Schmerzen, Einsamkeit, Sinnlosigkeit usw.

„Etwa 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben. Zum Vergleich: ca. 4.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland imStraßenverkehr“ Zitat aus der U25 Broschüre „Lebensmüde“.

Ich selbst habe einige Zeit ehrenamtlich bei der Suizidprävention gearbeitet, und kann mich ganz gut in die jungen Menschen hineinversetzen, weil ich mich noch an diese Zeit erinnern kann, in welcher ich auch oft dachte das ich will das Dinge einfach vorbei sind, weil sie schmerzhaft waren, weil das Lebens damals oft sehr schmerzhaft und einsam war. Wie schnell ist man von solchen Gedanken, wenn noch anderes dazu kommt, bei dem Thema Suizid. Ich habe mich damals sehr damit auseinandergesetzt. Auch über das Wie der Selbststötung und wie ich auch überhaupt dazu stehe. Genauso habe ich darüber nachgedacht wie es ist wenn ich alt werde und vielleicht Plege brauche, ob ich das möchte, und wie ich, falls nicht, für mich auf gute Art und Weise aus dem Leben treten kann. Kennt Ihr den Film „Die Eleganz der Madame Michel“ von 2009, auch hier macht sich ein junges Mädchen Gedanken zum Suizid und plant den Ihrigen. Ein sehr wunderbarer, tiefsinniger aber auch zutiefst melancholischer und sehr kluger Film.

 

Ich möchte zurückkommen auf den Film im ZDF „Das Versprechen“, dieser hat mich an die „Virgin Suicides erinnert“, ein Buch von Jeffrey Eugenides, auf eine mrächenhafte Art verfilmt mit der Musik von Air unterlegt, und mit der schönen Claire Danes in einer Hauptrolle…

Aber eben alles viel sachlicher und deutscher, und auch irgendwie realer das Thema im ZDF. Und als Doku im ARD. Ich finde diese Themen so wichtig und bedauere das grade die Doku kaum 1 Woche online war.
Was mich auch speziell sehr ärgert ist die Hinweisseite zum Film „Das Versprechen“. Dort wird ganz kurz und ganz lapidar auf Hilfsangebote hingewiesen, so aus Pflicht wie es scheint und mit wenig Herz.

http://www.zdf.de/der-fernsehfilm-der-woche/unter-anderen-umstaenden-das-versprechen-42060658.html

Was man in beiden Filmen gut begreifen kann, da ist immer jemand der zurückbleibt und mit dem Suizid leben muß.

Wenn jemand diese Links und Nummern überprüft hätte wäre klar gewesen das dies so nicht reicht. Ja es gibt Telefonseelsorge, und das ist wunderbar, aber wißt Ihr wieviele Leute dieses Angebot nutzen? ich sage es Euch: sehr viele. Diese Nummern sind oft belegt. Das Angebot von Mailberatung, funktioniert nur mit Anmeldung zu bestimmten Terminen. Oder auch bei U25 und ähnlichen Hilfsangeboten gibt es so so lange Wartelisten. Der Bedarf ist riesig. Das Angebot klein. Viele der Angebote basieren fast vollkommen auf ehrenamtlicher Arbeit. Die Organisationen und Projekte werden kaum bis gar nicht unterstützt. Sie leben von kleinen Zuwendungen und Spenden mit denen dann grad mal die Technik am laufen gehalten wird und vielleicht grade mal eine halbe Stelle pro Projekt rausspringt.

Und das finde ich ein echtes Armutszeugnis. Für Deutschland, für die jeweilige Stadt, die Projektträger, und eben für das ZDF. Ein öffentlich rechtlicher Sender hat einen Bildungsauftrag, und diesem wird hier wieder einmal nicht nachgekommen.

Wenn man so einen Film zeigt sollte man sich über den Hintergrund informieren und über die Angebote. Sollte eine extra Sendung dazu machen und eben auch darauf aufmerksam machen das diese Projekte dringend finanzielle Unterstützung brauchen. Psychische Probleme scheinen in unserem Land noch nie so wirklich ernst genommen worden zu sein, aber die Statistik müßte uns doch wirklich überzeugen.

U25 kommt aus Freiburg und hat inzwischen verschiedene Standorte mit hauptsächlich jungen Ehrenamtlichen

http://www.u25-deutschland.de/

Freunde fürs Leben ist eine Organisation die sich mit solchen Themen beschäftigt, aber kein Beratungsangebot hat, dafür auf die Theamtik aufmerksam macht:

http://www.frnd.de/suizid/?gclid=Cj0KEQiAr8W2BRD2qbCOv8_H7qEBEiQA1ErTBkWanUwOLArvC7LJGM7F0rtwiL_WsrkZw5j9KqV-FYcaAghw8P8HAQ

hier noch ein interessanter Beitrag vom Sterben in Würde in 5 min gut erklärt, wozu auch der Suizid gehört

http://www.ardmediathek.de/tv/Quarks-Co/Vom-Sterben-in-W%C3%BCrde/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7450356&documentId=27823646

 

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Über Solidarität und Reich und Arm

„Bis weit in die 70er Jahre war man sich einig, dass die steuerlichen Lasten und Abgaben – je nach eigenen Kräften – relativ gleichmäßig verteilt werden sollten. Dieses Prinzip gilt nicht mehr. Trotz anhaltend hohem Wirtschaftswachstum rutschen immer mehr Menschen ab

Reiche werden reicher – Arme bleiben arm, während die „Mitte“ gegen den Abstieg kämpft. Ein verblüffender Befund, glaubt man dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung; die Unternehmen boomen, doch die Löhne stagnieren, gleichzeitig wächst die Ungleichheit bei den Vermögen. Die Kluft zwischen denen, die sehr viel haben und jenen, die mit wenig oder sehr wenig auskommen müssen, ist heute besonders groß. Deutschland nimmt bei der Vermögensungleichheit in der Eurozone inzwischen einen enttäuschenden Spitzenplatz ein.

Große Kluft zwischen Arm und Reich

Was ist passiert? Wo bleibt die Beteiligung der Reichen und Superreichen? Wann wurde der breite politische Konsens aufgekündigt, dass Wachstum allen zugute kommen soll?

Die Filmemacherin Eva Schötteldreier macht sich auf die Suche nach Antworten und entdeckt ein Land, dessen soziale Balance deutlich angeschlagen ist. Sie trifft Starökonomen, Wissenschaftler, Familien, Millionäre, Hartz-IV-Bekämpfer und Sozialethiker.

Die Mittelschicht gerät unter Druck

Der beunruhigende Tenor: Bis weit in die 70er Jahre war man sich einig, dass die steuerlichen Lasten und Abgaben – je nach eigenen Kräften – relativ gleichmäßig verteilt werden sollten. Dieses Prinzip gilt nicht mehr. Trotz anhaltend hohem Wirtschaftswachstum rutschen immer mehr Menschen ab, vor allem die Mittschicht gerät unter Druck: Sie sind beim Steuerzahlen Spitze, ebenso bei den Sozialabgaben. Im Alter oder aber mit Kindern werden sie zu Verlierern.

Lösungen und Alternativen zur sozialen Schräglage sind in Sicht, brauchen aber die radikale Abkehr vom Bestehenden.

Ein Film von Eva Schötteldreier“
auch interessant dazu
und

 

 


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Thema Grundeinkommen

Ein richtig guter und unterhaltsamer Film zum Thema der auch aufzeigt wieviel vom denken abhängt. In heutigen System und unseren Gesellschaftsstrukturen ist es ja vieles sehr festgefahren. Oft wird stark bewertet und Hierarchien sind normal. Selbstverantwortung und der Glaube an positives nicht unbedingt verbreitet. Vieles basiert eher auf Repression denn auf Zutrauen oder gar Freiheit des Einzelnen. Wenn man aber anfängt umzudenken, und nicht alles über Kontrolle regeln will, .. ja dann eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten und das Leben gewinnt Authentizität und Leichtigkeit.

Talkrunde zum Grundeinkommen mit Micha dem Gründer von Mein-Grundeinkommen

Ein Mönch zum Thema