Leben teilsaniert – Private Politics

Geschichten die das Leben schreibt – Die Arzthelferin

2 Kommentare

Frau B. erzählt:

Ich brauche dringende Überweisungen und ein Attest von meiner Ärztin. Doch bis September gibt es keine freien Termine mehr. Also werde ich auf Abruf gesetzt. Sprich ich soll angerufen werden wenn alle Patienten durch sind um kurz vorbei zu kommen. Die letzten 2 Jahre war ich eigentlich nur so bei meiner Hausärztin. Es war Mittwoch, ich wartete. Nichts. Um 15 Uhr dann: Heute wird es nichts mehr, zuviel los. Ich soll mich am nächsten Tag wieder melden. Das mache ich gleich sofort. Es wird übrigens gemailt, weil telefonisch meistens besetzt ist oder keiner rangeht. Das Problem ist man bekommt dann oft keine Antwort und weiß nicht was Sache ist. Ich habe kein modernes Handy, so das ich an den Schreibtisch muß um Mails zu lesen und zu schreiben. Als ich Donnerstags bis Mittags nichts gehört habe maile ich also nochmal. Und es passiert nichts. 16 Uhr gebe ich dann auf mit warten. Und versuche noch ein paar Sachen zu erledigen.

Freitag: ich schreibe wieder eine Mail…ob man mich vergessen hätte. Gegen Mittag heißt es dann ich kann die Papiere abholen. ich so, total geschockt, weil ich lang und breit gesagt hatte ich auch die Ärztin sprechen muß. Ok, ich solle vorbeikommen jetzt gleich. Ich also schnell los. Angst zu spät zu kommen – Freitags ist Mittags dann nämlich zu. Und ich hatte am Ende des Monats jetzt kein Geld mehr für die Fahrkarte also mußte ich laufen.

Ich war viel zu warm angezogen, aber mein TShirt war so häßlich das ich mich ohne Jacke unwohl fühlte. Als ich dann ziemlich verschwitzt bei der Praxis ankam war der Eingang zu. Mist. Aber da fiel mir ein das es einen Zugang über den Hof gibt. Und ja da war noch offen.

Die Schwester begrüßte mich – grade die, die ich inzwischen eh gefressen hatte. Sie erledigte nebenbei noch anderen Papierkram, telefonierte in Seelenruhe und ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt und mußte Ihr meine Krankenkarte förmlich aufnötigen, das hatte Sie nämlich vergessen das Sie die einlesen mußte. Da ich dieses problem schon mal mit Ihr hatte achtete ich nun immer gewissenhaft darauf das Sie die Karte auch einlas.

Dann lief die Ärztin an mir vorbei und ich sagte Ihr das Ich Sie noch sprechen müßte – im Gegensatz zur Schwester war das für die Ärztin kein Ding. Ich sollte mal über die Papiere drüberschauen während Sie noch eine Patientin dran nahm.

Als ich der Schwester versuchte zu erklären das dies so nicht geht mit den Papieren weil dieses und jenes fehlte, tat Sie so als würde Sie nicht verstehen und fing wieder mit Ihrer Geschichte an:

„Ich habe mich Selbst geheilt“ .. nebenbei hing Sie am Telefon ???  Ja sie habe sich selbst geheilt. Und sie sei auch nicht auf das Arbeitsamt angewiesen gewesen, nein Sie habe das alles neben Ihrer Arbeit gemacht.. diesen Prozess der Selbstheilung. Und das sei harte Schule gewesen damals weil es ja gar keine Hilfen gab so wie heute.

Ne is klar. Ich so im Kampf mit der Krankenkasse, Anträge stellen, Ablehnungen bekommen, Widersprüche einlegen, das nicht zum ersten mal. Wieder Papiere bei der Ärztin holen über die chronische Erkrankung weil die alten inzwischen nicht mehr aktuell waren obwohl der Inhalt derselbe war. Kein Geld haben mit Hartz4 um sich wenigstens medikamententechnisch etwas Erleichterung verschaffen zu können – gab ja nur noch grüne Rezepte, also zum selber zahlen. Und oft helfen mir eh eher alternative Heilmittel, die ich sowieso alle selber bezahlen müßte.

Ja vielleicht sollte ich die Schwester mal fragen wie Sie das so gemacht hat mit der Selbstheilung. Das erzählte Sie mir nämlich nicht zum ersten mal, immer so zwischen Tür und Angel warf Sie das hin, und ich fragte mich was Sie damit eigentlich sagen wollte. Das ich zu blöd bin mich selber zu heilen? Das ich dankbarer sein solle? Mich nicht so anstellen? Was ich überhaupt wolle in der Praxis? Oder ich gefälligts arbeiten gehen soll? Fragen konnte ich Sie nicht, Sie telefonierte.

Ich kam dann dran besprach alles mit der Ärztin bekam neue Ausdrucke Die Schwester ward nicht mehr gesehen…

Hätte ich mich nur mal Selbst geheilt dann hätte ich mir das ersparen können.

Und hier weiß noch jemand Abhilfe: Ein Allheilmittel

https://hirngefickt.wordpress.com/2016/05/22/das-wundermittel/

 

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Autor: madameflamusse

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2 Kommentare zu “Geschichten die das Leben schreibt – Die Arzthelferin

  1. Reizend, wenn man selbst beim Arztbesuch stets damit rechnen muß, wegen Arbeitslosigkeit runtergemacht zu werden. Nach all den Jahren finde ich es immer noch unfaßbar, wie Erwerbslose an jedem Ort zum Abschuß freigegeben sind

    • Ja echt unglaublich und wirklich unverschämt, find ich auch, und im Grunde genommen gleich fürs Kranksein mit.

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