Leben teilsaniert – Private Politics

Arm aber Sexy – Theater zum Thema Hartz4

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Premiere
Alina Müller glänzt in Klassenzimmerstück „Arm aber sexy“

Hartz IV, das klingt wie HIV oder wie Parkinson – wie so eine ekelige, ansteckende Krankheit, die man nicht mehr loswird, wo jeder gleich Bescheid weiß. Melanie Nikita Frisinger alias Alina Müller stapft durch die Stuhlreihen, brüllt, flucht, zerrt am knallgelben Kapuzenpulli.

Jugendarmut als Theaterstück: Arm, aber sexy

Seit gut einer halben Stunde geht das so, sie ist laut und rotzig und sie nimmt die Klischees und das Hartz IV Stigma und setzt sich oben drauf. Denn die 16-Jährige Kim Mik, so der Künstlername für ihren Youtube-Channel, will mehr vom Leben. Und sie will, dass ihre Mutter wieder Arbeit findet. Das erklärt sie auch den Achtklässlern des Mariengymnasiums Jever, die Teil des Klassenzimmerstücks „Arm aber sexy“ von Jörg Menke-Peitzmeyer sind. Am Dienstag fand an der Schule die Premiere des Stücks der Landesbühne Niedersachsen Nord aus Wilhelmshaven statt. Es soll noch in dutzenden Schulen aufgeführt werden.

„Ich hab’ mal den Leuten ne richtig schöne Weihnachtsgeschichte aufgetischt: wie meine Mutter ihren Job verloren hat“, sagt Kim Mik und schaut den Schülern direkt in die Augen. „Is’ nich’ so schön, oder?“, fragt sie.

Der Youtube-Channel, auf den sie ein Typ vom Fernsehen gebracht hat, soll ihr jetzt Geld einbringen, genauer: 472 Euro. Damit könnte sie nämlich die Schulden der Mutter begleichen, die ihren Job verloren hat, weil sie das Geld aus der Kirchenkollekte genommen hatte, um mit der Familie ein richtiges Weihnachtsfest feiern zu können.

Draußen sieht Kims Leben in Armut vielleicht nicht danach aus, die Fassade ist gut und wird aufrecht erhalten. Was sich dahinter tatsächlich verbirgt, das will niemand sehen. „Es war spannend das aus der Ich-Perspektive erzählt zu bekommen, so habe ich das noch nie erlebt“, sagt hinterher ein Schüler. „Die wahren Geschichten sind die, die keiner hören will“, sagt Alina Müller. „Das Thema Kinderarmut ist extrem aktuell, auch in Wilhelmshaven. Und durch die Spielweise ist man nah an den Schülern“, sagt Regisseurin Romy Lehmann, die mit dem Klassenzimmerstück ihr professionelles Regiedebüt gab. „Sehr gut, willkommen im Team“, sagt Intendant Olaf Strieb.

Text von:

Freie Hartz IV Presse
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Autor: madameflamusse

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