Leben teilsaniert – Private Politics

kleine Arbeit, große Arbeit, ABM für Alle.. Druck und Zwang contra Wahlfreiheit?

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„Mit der Einführung von Hartz IV schaffte es gerade eine angebliche Linksregierung aus Sozialdemokraten und Grünen, Millionen von Menschen ihrer Würde zu berauben und Nachschub für den Billiglohnsektor zu schaffen. Zudem wurde ein Klima der Angst geschaffen – die Angst vor dem sozialen Abstieg in ein stigmatisiertes Leben“.. schreibt Marco Maier auf

http://www.contra-magazin.com/

weiter heißt es:

„Wer erst einmal ganz unten ist, dem wird in Deutschland Dank Hartz IV der soziale Wiederaufstieg massiv erschwert. Behördenwillkür, die kompette finanzielle Durchleuchtung und extremer psychischer Druck auf die Betroffenen sorgen dafür, dass ein Ausweg extrem schwierig ist. Betroffene müssen jeden Job annehmen, auch wenn sie dafür extreme Wegstrecken zurücklegen müssen und sich der gesamte Aufwand dafür eigentlich gar nicht lohnt.“

Zum ganzen Artikel hier lang ->

Ich erinnere mich noch gut daran als Herr Boes bei Frau Maischberger zu Gast war und eine Putzfrau mit Ihm eingeladen war die für kleines Geld sehr viel gearbeitet hat um über die Runden zu kommen. Diese wurde nun regelrecht als Heldin dargestellt im Gegensatz zu Herrn Boes der sich nun wirklich einsetzt für eine Verbesserung für alle Menschen.

Ja, die braven Bürger sind die, die mitmachen. Das heißt für kleines Geld viel Arbeiten, am besten mehrere Jobs haben damit Sie keine Aufstockung beantragen müssen. Und ja wenn Sie es nicht machen würden, dann würden sich bestimmt Ausländer aus dem Ostblock finden die diese Billigjobs machen. So bleibt es bei den miesen Beschäftigungsverhältnissen und dem stolz drauf für seine paar Piepen auch gaaanz viel zu tun und damit ja ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein.

Und eben genau dahin treibt z.B. Hartz4 die Menschen, aber die Leute die eben für so wenig Geld arbeiten erhalten diese Jobs auch am Leben. Solange es Menschen gibt die diese unterbezahlte Arbeit machen solange gibt es dieses Jobs und solange ist das auch kein Thema in der Politik. Is ja alles schön aufgeräumt. Und ein Bürger der hart arbeitet hat wenigstens keine Zeit mehr zu protestieren oder sich auch nur mal Gedanken zu machen.

Trotzdem denke ich braucht es eine gewisse Einstellung um so etwas mit zu machen. Und ich kenne diese Einstellung gut weil auch ich in Ihrem Geiste erzogen wurde. „Brav sein, Anpassen, Flexibel, Arbeit ist das wichtigste, Hauptsache Arbeit, Arbeit macht einen ordentlichen Menschen aus Dir, wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, .. “ so die Stichworte. Ja, das Leben ist schwer! Das ist der Tenor.  So eine Denke sieht das Leben eher als Leiden und sich selbst als nicht handlungsfähiges Opferlamm. Die eigene Beteiligung durch Schweigen und stilles Erdulden wird nicht wahrgenommen.

Und ja das System ist „dankbar“ dafür, denn so wird die Durchführung nicht weiter aufgehalten oder behindert. ich weiß nicht ob diese Einstellungen im Osten mehr verbreitet sind als im Westen, aber ich könnte es mir gut vorstellen. Eine Diktatur wie die DDR prägt, auch die Nachfolgegeneration, und auch gewisse Prägungen durch die NS Zeit schimmert durch – noch sitzen ja an den meisten ausschlaggebenden Stellen die Kriegskinder.

Jeder der da nicht mitmacht stört den Ablauf. Und so kommt man mit Hartz4 irgendwie durch, aber sobald man auch nur die leisesten Zweifel oder auch eigene Ideen oder selbstverantwortliche Initiative zeigt oder man sich gar getraut krank zu werden, ist es vorbei. Dann kommt das System und versucht Dich zu regulieren mit Zwangsmaßnahmen, Kürzungen/Sanktionen und eben den oben genannten: Druck machen.

Erziehungsmaßnahmen für Erwachsene, die ich persönlich ablehne. Ich halte auch generell nichts von Erziehung oder Konditionierung – ich denke darüber sollten wir Menschen in einem Land der Denker und in einem Land was sich die „Freiheit“ so groß auf die Fahnen schreibt schon längst drüber sein. Das Wort Kultur wird vielerorts so frei ausgesprochen, dabei könnte man meinen das es inzwischen ein Fremdwort ist.

Allein wenn dieser Habitus wegfallen würde wäre großes gewonnen. Einfach wirklich mal auf Augenhöhe. Einfach mal die Realität von Arbeit und Billigjobs heute anschauen. Einfach mal merken das Wir heute das Jahr 2015 schreiben und nicht 1980… das System Hartz 4 ist ein veraltetes, die Realität nicht wahrnehmendes und Menschenverachtendes System und es ist einfach mehr als absurd das dies nun gerade in unserem Land als Grundlage eines „Sozialstaates“ fungiert. „Sozial“ hat was mit Gemeinschaft und Dazugehörig zu tun, das scheint vollkommen in Vergessenheit geraten zu sein. Denn in welche Richtung bewegt sich das ganze, wenn nicht in eine Richtung der immer größeren Spaltung.

Wer einmal in Hartz 4 landet, und das geht manchmal recht schnell, hat es schwer. Das ist wie ein Brandzeichen. Man ist täglich damit beschäftigt über die Runden zu kommen. Druck und Dauerstress machen krank. Am besten stillhalten, bloß nicht leben, das kostet extra und vielleicht geht dabei auch was kaputt was nicht ersetzt werden kann. Und Gesundheit ist schwierig zu bezahlen, das geht bei einer Brille los, einer gesunden Ernährung weiter, und endet nicht bei den Zähnen oder nicht mehr von der Krankenkasse bezahlten Medikamenten. Was ist mit Teilhabe an Gesellschaft, Bildung und Kultur?

Eine Nebenselbstständigkeit/der Aufbau einer eigenen Einkommensquelle ist ohne Ersparnisse so gut wie unmöglich und wird nicht unterstützt, eine volle Selbstständigkeit nur minimal. Statt Vorschläge von Arbeitsplätzen, die es ja laut Arge überall geben soll, bekommt man Zuweisungen zu „Maßnahmen“ damit der Mensch aktiviert wird. Heute heißt das nicht mehr 1 € Job ist aber dasselbe nur für 1,75 € die Stunde, gerne mal am anderen Ende der Stadt, man bekommt ja die 1,75 € um die Monatskarte dorthin zu bezahlen. Wo Mensch dann meistens entweder irgendwelche Pseudojobs ausübt oder Jobs die eigentlich richtige Arbeitsplätze wären die aber keiner bezahlt/bezahlen kann, „angeleitet“ von anderen Menschen, die dafür seltenst qualifiziert sind. Das ganze läßt einen immer wieder den Eindruck gewinnen das Arbeitslose kein Leben vor der Arbeitslosigkeit hatten und auch sonst selber alleine nichts auf die Reihe kriegen und deshalb Anleitung bräuchten.

Statt ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) gibt es seit geraumer Zeit nun die Bürgerarbeit, oder wer will auch den Bundesfreiwilligendienst. Dafür ist der Hartz4 Empfänger gut genug. Wenn er sich aber selber etwas aufbauen möchte und für seine Arbeit auch einen gerechten Lohn erhalten will, dann wirds schwierig. Der Hartz4 Empfänger als solcher soll ja nicht wollen sondern tun was das Amt will – ups das heißt ja jetzt Agentur (schon länger und einfach lachhaft).

Dieser 2. Arbeitsmarkt wurde mit dem Gedanken geschaffen lieber Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren, leider ganz schlecht umgesetzt. Seit es Hartz4 gibt entstehen zur Verwaltung und „Verschickung“ sowie Anwendung dieser Arbeit auf dem 2. Arbeitsmarkt (was bitte?) Zwischenfirmen die schön absahnen. Und der arbeitslose Bürger verschwendet seine Lebenszeit – sicher gibt es Außnahmen. Aber solange dieser Sektor nicht auf Freiwilligkeit basiert bleibt es im Grunde nichts anderes als eine ABM im negativsten Sinne. Hauptsache raus aus der Statistik, und Geld für die die sich dem System anbiedern oder sogar Hilfestellung in der Umsetzung leisten. Wieviel von den Kosten die laut Statistik für Hartz4 ausgegeben werden bekommen wohl die Angestellten der Agentur für Arbeit und diese Zwischenfirmen die pro Arbeitslosen akkassieren, während der Arbeitslose weiter für nen Hungerlohn machen soll und muß was man Ihm sagt damit er nicht Sanktioniert wird und damit weit unterhalb der Armutsgrenze leben müßte? Ja, es gibt in Deutschland die wg. Sanktionen hungern und frieren. Und das hilft ja ganz bestimmt dabei eine Arbeits zu finden. Und das ganze System des Hartz4 ist so aufgebaut das man im grunde damit sehr gut beschäftigt sein kann Hartz4 Empfänger zu sein, anstatt sich um die Sachen kümmern zu können die wirklich wichtig wären.

All das geht an der Realität von Arbeit vollkommen vorbei. Denn mit vielen „Pseudoarbeitsstellen“ ist man trotzdem noch irgendwie gefördert und Hartz4 BezieherIn, und hat in seinem Lebenslauf viele sinnlose, oft wenig berufsrelevante Arbeitseinsätze stehen, so das am Ende kein Arbeitgeber Lust hat gerade diesen Menschen einzustellen. Arbeit ist ja nicht gleich Arbeit, nicht wahr?

Wenn z.B. wirklich Projekte und Einrichtungen bei denen ständig gekürzt wird, finanzielle Förderung erfahren würden könnte diese auch die entsprechend ausgebildeten Leute wieder einstellen und diese hätten auch Ihre Würde zurück weil Sie einem regulärem Beschäftigungsverhältnis nachgehen könnten. (Im Bereich Soziales, Kultur und Bildung wird ja immer wieder immens gekürzt).

Keine Zwischenfirmen wo Machtversessene sich freuen andere runterzumachen und dafür Geld vom Staat zu kassieren, keine moderne Sklavenhaltung und „Bürgerarbeit“ die den Begriff verdient, sowie auch echte Freiwilligendienste, die eben nicht darauf basieren besser das als eine Maßnahme etc. Eine Eingliederungsvereinbarung, in welcher man ja allem zustimmen muß, ist am Ende auch nichts anderes als ein Knebelvertrag. Und der Antrag auf Hartz4 erinnert mich stark an Faust (die Seele an den Teufel verkaufen), der Rest kommt mir eher Kafkaest und Absurd vor. Schon allein weil bei sovielen Anträgen und Klärungen mit dem Amt immer wieder Fragen zu beantworten sind denen die Erwartung zu Grunde liegt das sich das Leben einem schiefen System wie Hartz4 doch bitte mal anzupassen habe.

Jedem Bürger wird doch per se eine Mündigkeit zugesprochen, ist ein Grundrecht von Geburts an. Dieses Land soll eine Demokratie sein, im Grundgesetz steht was von freie Wahl, aber wo bitteschön existiert das alles denn im Hartz4 System?

M.F.

 

 

 

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Autor: madameflamusse

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