Leben teilsaniert – Private Politics

Pegida demonstriert in Dresden

2 Kommentare

Die Montagsdemos leben wieder auf. Auf eine absonderliche und irgendwie gruslige Art und Weise. Es hat eine Weile gebraucht bis ich davon Wind bekommen habe. Nun nach der Recherche und dem lesen unzähliger Artikel, in Web und Print und der Konsumierung der ungekürzten Interviewes der ARD ein paar Zeilen von mir dazu.

Die Pegida demonstriert gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ – AHA. Das dies alles sehr rechts orientiert ist wurde an allen möglichen Stellen erörtert. Die Dresdner DNN schreibt dazu auch das der Chef des Meinungsforschungsinstitutes Forsa zu dem Ergebniss kommt das es wohl weniger Bürger aus der Mitte, hier als abtrünnige EX CDU Wähler bezeichnet, sondern eher Menschen aus der Ecke des AfD und der NPD und ähnlichen Vereinigungen (wie z.B. Burschenschaften) sind, die da auf die Straße gehen.

Nun sieht man den Leuten natürlich meistens nicht an was Sie wählen, aber so die üblichen Gesichter (eher an Ihren Attitüden und Sprüchen zu erkennen) der eher rechts gerichteten Bürger und der ganz rechten Gruppierungen sind zu erkennen. Aber genauso sehe ich ganz normale Bürger, die vielleicht inzwischen auch rechts wählen (was mich nicht wundert, denn da wo andere Parteien Ihren Platz nicht einnehmen sind die Rechten ganz schnell da und besetzen den Platz) oder immer noch bei der CDU rumdümpeln, die ja auch nicht grade für Ihre integrativen Ansätze bekannt ist, man weiß es nicht. Wenn ich mir allerdings die Leute so anschaue, mir anhöre was Sie zu sagen haben und vor allem die stark angestiegenen Mitläuferzahl (letzte Woche 15000) anschaue kann ich mir nur schwer vorstellen das hier rein Rechts orientiertes Publikum zu sehen ist.

Ich denke das die Politik und auch die Presse (die schon in den ARD Interviews manchmal einen leicht abfälligen Ton anschlagen) sich die Sache viel zu leicht machen wenn Sie das ganze nur als: nun sagen wir mal ausländerfeindlichen Aufmarsch bzw. rechtspopulistische Demo betrachtet.

Mein Eindruck ist der, das hier einfach was nach oben bricht was schon sehr lange schwelt und was mir an diesem Punkt auch klar macht warum die Linke immer wieder radikal Links wird, denn da wo es laut ist kucken die Leute hin. Die leisen sanften Stimmen die sich wirklich für Frieden engagieren, wie z.B. das montägliche Treffen der Dresdner Friedensmahnwache hat nur sehr geringen Zulauf, der vielleicht jetzt langsam größer wird oder sich mit anderen Aktionen für eine weltoffene und tolerante Stadt zusammentun könnte. Ich frag mich grade ob die Leute die bei Pegida mitlaufen im Februar bei den Gedenkveranstaltungen mitmachen oder gar den Naziblockaden oder ob die dann auch mit den Rechten mitlaufen?

Ich denke die Masse die sich bei Pegida mitbewegt ist eine einerseits ziemlich dumme Masse, die gar nicht wirklich begreift für was Sie da eigentlich grade mitlaufen, vielleicht ist es Ihnen auch egal, denn es geht ja darum Aufmerksamkeit zu bekommen, und das klappt hier, und auf der anderen Seite eine Masse, die die Nase voll hat von der Politik und Ihren Beschlüssen. Und in Dresden ist da nun mal ganz viel CDU dabei, weil Diese die Stadt erstaunlicherweise immer noch fest in der Hand haben, und da wird gekürzt was geht, sei es in der Jugendarbeit oder im Kulturbereich, da wird Gentrifizierung vom Feinsten betrieben, Urteile von Sozialgerichten über Jahre verschleppt aber Geld für zurecht getrimmte Studien über bezahlbaren Wohnraum ausgegeben etc. Könnte man jetzt lange Listen schreiben. Bürgerfreundlich oder Gemeinschaftlich, Förderlich und Integrativ ist aufjedenfall was anderes. (Manchmal frag ich mich ob der Begriff Bürger bei der CDU eigentlich heißt Menschen mit Geld, die anderen sind wohl alle nur „Kunden“). Und nun wundern sich alle das die, die auf der Straße sind ähnliches Kundtun, nur eben von der anderen Seite. (SPD und FDP sind nicht besser)

Mich wundert es seit geraumer Zeit das es so lange still ist auf Deutschlands Straßen. Das Deutschland sich auch aus meiner eher Linken Sicht der Dinge einfach mal um seine Angelegenheiten kümmern sollte, das man erst vor der eigenen Haustür kehrt bevor man sich woanders einmischt, und das tut Deutschland sehr oft mit Waffenexporten, Einmischung in Krisengebiete, Außenpolitik und Bundeswehreinsätzen sonstwo – damit auch Urheber oder zumindest Mitwirker bei den Konflikten die nun jede Menge Flüchtlinge herbringen. Deutschland in dem das Wort Freiheit eine so große Bedeutung hat aber der Bürger im Grunde, vor allem der aus Mitte und Unten, ein geknechteter ist – und es manchmal nicht mal mehr kapiert das es so ist und stolz seinen unterbezahlten Job nachgeht – bis Ihn dann später die Menschen aus den Nachbarländern noch günstiger erledigen. Ein Staat, der von sich behauptet eine Demokratie zu sein die sich dem Grundgesetz verschrieben hat, aber in Wirklichkeit jede Menge Menschen schon längst an die Peripherie und in übelste prekäre Verhältnisse gedrängt hat. Für Hartz4 Empfänger gelten die Grundgesetze nicht, aber wen irritiert das schon. Zur Armutspolitik gibts inzwischen unzählige Bücher, sei es zum Thema Rente, die für meine Generation nicht mehr vorhanden sein wird, sei es das Thema Bildung was in uralten Schuhen steckt und in veralteten Systemen von hier nach da geschoben wird, das marode Gesundheits (Pflegesystem)und eben das ganz große Thema Arbeit, Mindestlohn, Arbeitslosigkeit etc. Ich frag mich schon lange was das eigentlich werden soll. Nicht nur wird extrem kurzfristig gedacht, nein, es wird auch das Potential was vorhanden ist nicht nur nicht gefördert, sondern kaputt gemacht. Was für Chancen hat man in unserem Land eigentlich noch außer man hat die entsprechende Kohle?

Beim Michael Bittner, einem Dresdner Autor meldet sich ein Micha Schmitt zu Wort und zählt die Ängste auf um die es geht. Die Menschen haben Angst. Und darum laufen Sie mit bei so einem Aufmarsch – und die die den Aufmarsch organisieren sind geschickt das Motto passend zu verkaufen. Mei, wie viel Weltliteratur gibt es, die genau das erzählt, nämlich das es jemand braucht der Schuld dran ist, und darüber das wenn die Masse rollt Sie die Dinge mit sich zieht. Und neben den Islamisten und den Wirtschaftsflüchtlingen (O Ton Interview) sind das schon auch die Politiker, und vorallem die Art der Politik die Sie betreiben. Eine Politik die von Grund auf vergisst das JEDER Politiker ein Volksvertreter ist, und ein Schritt den die Politik tun könnte wäre der, mal einen Schritt unters Volk zu tun und es wieder kennen zu lernen. Mal zu schauen was eigentlich Realität ist, und was bei den Dingen die Sie da verzapfen so am Ende rauskommt. (gewisse Linke Politiker schließe ich hier aus, bei den Grünen blick ich nicht mehr durch).

Den Demonstranten würde ich gern sagen: seid Dankbar das Ihr in einem Land geboren seid wo es nicht nötig ist zu fliehen um zu überleben. Und irgendwo las ich den Vergleich mit dem Jesuskind: Ja auch eine Flüchtlingsfamilie. Bei wieviel Menschen wohl eine Krippe unterm Weihnachtsbaum steht. Und woher kommt eigentlich das Christentum? Und heißt es nicht Christlich Demokratische Union, ach ne das sind ja alles Rechte die da mitlaufen. … ich vergaß. X weitere Themen über die es sich nachzudenken, zu lesen und zu schreiben lohnt. Ich wünsch mir jetzt allerdings erstmal eins, und zwar das dieser ganze Aufmarsch ernst genommen wird  und das nicht nur mit dem Blick „das sind alles Rechte“ – und damit das Thema auch schon wieder in der Box wäre. Ja mir wird auch schlecht wenn ich Sprechchöre höre: „Wir sind das Volk“, aber das ist natürlich etwas was die Masse kennt und wo Sie drauf anspringt. Die Rechten sind ja nicht blöde, die wissen wie Sie die Leute rankriegen. Das einzige was dagegen hilft ist Aufklärung und Bildung.

M.F.

 

 

 

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Autor: madameflamusse

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2 Kommentare zu “Pegida demonstriert in Dresden

  1. Guter Text. Ich glaube, dass Pegida vleie von den Leuten anzieht, die sich abgehängt vorkommen und von „der Politik“ belogen und betrogen. Ob oder inwieweit diese Empfindung korrekt ist, ist eine andere Frage, aber aus dem Nichts wird sie nicht kommen. Wahrscheinlich ist das die Ernte, die in 25 Jahren „Neoliberalisierung“ der neuen Bundesrepublik gesät wurde.

    Alle seit 1990 an der Regierung beteiligten Parteien haben dazu beigetragen, Deutschland zu einem weniger sozialen, weniger solidarischen Land umzubauen. Das hat natürlich Verlierer produziert und viele an den Rand des Abgrunds gebracht. Und die, mutmaße ich, finden jetzt bei Pegida u.ä. einen Platz, wo die Angst und der Frust ernstgenommen werden und geäußert werden dürfen.

    Traurig, dass sich das (mal wieder) vorrangig gegen Ausländer artikuliert. Auch traurig, dass die Leute, die zu einem guten Teil für die Malaise verantwortlich sind, jetzt über die Folgen ihrer eigenen Aktivitäten der letzten Jahrzehnte besorgt sind und den Leuten Unvernunft vorwerfen. „Die Politik“ – alle Parteien, die seit 1990 Regierungsverantwortung hatten – hat jetzt allen Grund, sehr kleinlaut zu sein. Leider ist das Kind jetzt im Brunnen, die Milch ist verschüttet, und jetzt haben wir den Salat. Das lässt sich jetzt nicht mehr so leicht aus der Welt schaffen.

    Und wenn all die Marktfetischisten, Sozialleistungsabbauer, Förder-und-Forderer jetzt öffentlich mit ihrer Besorgnis hausieren gehen, ist das mMn nur Öl ins Feuer – die Belogenen und Betrogenen kommen sich dann nur zusätzlich verschaukelt vor. Da hat sich „die Politik“ sauber selbst in die Ecke gepinselt.

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